Gemälde von

Helga Colden



 
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Lebenslauf der Künstlerin

Helga Golden wurde 1929 in Füssen geboren. Lehramt und Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Köln, Malerei und Keramik in Düsseldorf. Lehrer dort: Ewald Matare. Lehrtätigkeit in Köln, Frankfurt, Düsseldorf. Seit 1985 war sie als freie Malerin in Köln tätig. 2009 gestorben in Köln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kunst im Amt
Das JobCenter zeigt Gemälde von Helga Colden

Großflächige Bilder in sanften, erdigen Farben schmücken nun die Wände des Kölner JobCenters: Die Kölner Malerin Helga Colden hat der Behörde zahlreiche Gemälde als Dauerleihgabe überlassen. So kann Kunst den Amtsgang zur Arbeitssuche ästhetisch bereichern und den Mitarbeitern eine behagliche Atmosphäre schaffen.

"Kann man Arbeitslosen abstrakte Kunst zumuten?" fragte Arnd Schwendy bei der öffentlichen Ausstellungseröffnung. "Wir finden ja, denn für uns sind diese Bilder eine künstlerische Bereicherung." Der aus dem Amt scheidende Leiter des Kölner Amtes für Soziales und Senioren hatte schon seit langem die Idee, abstrakte Kunst in Amtsräumen zu präsentieren. So schmückten denn erste Bilder die Räume des JobCenters im Jahre 2000. Nun überließ Helga Colden der Behörde 80 Exemplare ihres Werks als Dauerleihgabe. Arnd Schwendy und Heinrich Alt, stellvertretender Vorsitzender der Bundesanstalt für Arbeit, überreichten der 73-jährigen dankend Blumen.

Die in Köln lebende Künstlerin malt vorzugsweise abstrakt: spiralförmige Rundungen, Wellen und Wolkengebilde in mehreren Schichten, Tupfer und Kleckse in Bewegung. "Früher habe ich in Öl gemalt," erzählt die 73jährige, "heute verwende ich ausschließlich Akrylfarben. Die lassen mehr Freiheit und Spontanität zu, bei Ölfarben musste ich vorher genau planen, was ich malen wollte." Helga Coldens Bilder erschöpfen sich nie auf den ersten Blick - im Gegenteil: sie laden den Betrachter ein zu meditieren. Und je länger man hinsieht, desto mehr gibt es zu entdecken: Sandkörnchen, Pigmentartikel, die scheinbar vielschichtige Tiefe, in die sich die Formen und Farben erstrecken.

Als Kind hielt sich die Tochter einer Italienerin oft in Norditalien auf, vorzugsweise in Venedig und im Tessin. "Die Aufenthalte dort haben meine Vorstellung von Schönheit sehr geprägt." sagt Colden, die nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik als Lehrerin arbeitete. In Malerei und Keramik bildete sie sich weiter. Nach Jahren intensiven Schaffens arbeitet die Künstlerin heute nur noch von Zeit zu Zeit in ihrem Atelier: "Ich bin auf einem Auge blind, und die Alterswehwehchen setzen mir zu."

Artikelauszug aus "Kölner Leben", 2002



06.09. - 19.10.2013
Aus dem Ausstellungskatalog der Galerie "Matasci Arte", Tenero im Tessin

Gute Bilder behalten ihre Rätsel, ihre Vieldeutigkeit.


Helga AVA Colden war eine aussergewöhnliche Frau. Immer sozial engagiert, versuchte sie
Menschen in Not zu unterstützen, war gutmütig, aber auch kritisch und hellwach mit allen ihren
Sinnen, scheute das Unbequeme nicht, stand vielen Menschen in ihrem Kummer zur Seite, war sehr
belesen und äusserst unkonventionell. Als Hallbtessinerin offenbarte sie ihr südländisches,
impulsive Temperament, war weltoffen und reiselustig und hatte einen unglaublich grossen
Freundeskreis.

Helga Colden wählte 1954 Köln zu ihrer Wahlheimat, wo sie Germanistik und Kunstgeschichte
studierte. Heiratete, wurde geschieden. Nach einigen Jahren im Lehramt und nach ihrer
Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen, konnte sie dann mit 55 Jahren, wie sie selbst
sagte, ihr „wirkliches Leben“ gestalten:

Die lebenslange Leidenschaft zur Malerei wurde ihr einzig-intensiver Lebensinhalt und sie
entfesselte einen gewaltigenTatendrang, bzw. den Drang, ihre überquellenden Emotionen zum
Ausdruck zu bringen. In ihren Bildern vereinigte sie Spannungen und Harmonie. Helga AVA Colden
war eine impulsive, ungeduldige Malerin und da kam ihr die Technick mit den schnelltrockenenden
Acryl-Farben wie gerufen.

„Was sich auf der Lebensseite anstaut, explodiert in der Malerei als Abenteuer für die eigenen
Augen. Unterschiedliche, gegensätzliche Sehweisen können ausgebreitet werden. Hier ist eine
"Autorität", die sehr bewußt auch Zufälle provoziert, um sich selber neue Reaktionen
abzuverlangen.“ (H.R.) Bei ihrem Kritiker und Mentor, dem Maler H. Ruwoldt - eine fruchtbare künstlerische Begegnung - malte sie schon während einiger Jahre, als sie überraschend den Namen AVA benützte, er wurde ihr Künstlerpseudonym. So sind denn ihre Bilder entweder mit Helga Colden oder mit AVA und manche
überhaupt nicht unterzeichnet.

Zunächst begann Helga mit Ton zu arbeiten, zu modellieren, ihre Keramik zu brennen - später dann
Bilder mit gegeständlichem Inhalt zu malen, was sie aber offenbar nicht besonders befriedigte, es
entsprach einfach nicht ihrem impulsivem Temperament - die meisten dieser „Abbildungen“ wurden
beseitigt. Als sie sich anschliessend mit abstrakter Malerei beschäftigte, entsprach das exakt ihrem
inneren Feuer und sie kam darin zu einer wirklichen Meisterschaft.

So konnte sie im Jahr 2000 eine bedeutende Einzelausstellung im Kölner Job Center mit achtzig ihrer
Gemälde ausstatten. Eine gute Freundin, Ingeborg Balensiefen, sagte bei der Vernissage u.a.:
.... "Es sind Bilder einer klugen Wölfin im wohligen Schafspelz! Zuerst liebenswert sanft, dann,
plötzlich einsaugend, fesselnd! Beim ersten Augen-Blick Versöhnliches, wohlltuende Farben, eher
gedämpftes Licht, Verfliessendes - einladend zum meditativen Verweilen. ... Dann Brüche im Frieden!
Brachiale, aufbrechende Pinselführung, vielschichtige Risse, neue Interpretationen, schnell
wechselnd. Die sanfte Gewalttäterin Helga Ava Colden weiss sich nun mit Gegensätzlichem, mit
Paradoxien, zu melden,.....welche inneren Bilder entstehen? An die eigene kindliche Barbarei, so wie
Helga Ava sie heute noch fühlt, die eigene aufrührerische Wut gegen unsinnig erlebte
Widerstände?... Helga Ava Coldens Bilder sind Trajekte, Überfahrten, Übergänge auch zur
künstlerischen Realität, sich arbeitend erfahren zu müssen: Arbeit als Bewegungsraum für ganz
Eigenes .“

Zu Helga Ava Coldens Retrospektive im März 2009 im Bezirksrathaus in Köln-Lindenthal, konnte
die schwerstkranke Künstlerin selbst nicht mehr ihrer eigenenVernissage beiwohnen, sie wurde nur
wenigeTage später, nach einem Herzstillstand, von ihrem Leiden erlöst.

Mentor H.Ruwoldt sagte bei der Eröffnung, u.a. : „Diese Bilder sind eine Zumutung, sie zeigen nichts - nichts was wir kennen, nichts zu dem ein Plan besteht. Die Bilder zeigen was zu sehen ist: Schrundig wellige Oberflächen, strapazierte abgearbeitete Farben, Härte und Zärtilichkeit, brutale Linien-Zeichen, nervöses Flimmern, gefährliche Farbballungen, eruptive Bewegung und weiches Fliessen. Die Bilder verbergen Schönheit und ihre Gefährdung, der Kampf darum ist Basis und Kern. Mit dem Kopf durch die Wand - und neu
anfangen, immer ganz wach und neugierig, was hinter der Wand ist.“

Helga Ava Colden ist nun hinter diese uns fremde, rätselhafte Wand angekommen, die Gedenkfeier
zu ihrem Hinscheiden wurde in ihrer eigenen Ausstellung feierlich und würdevoll begangen.

Ja, und was haben nun Ava's Bilder mit dem Tessin zu tun?

Helga Colden geb. Richter wurde 1929 in Füssen im Allgäu (D) geboren. Ihre Mutter Alice stammte aus
Locarno, eine geborene Brunetti, ihr Vater aus Würzburg. Bei Helgas Geburt war sogar ihre Grossmutter
Virginia Brunetti-Riva dabei, - Hebamme in Locarno und Muralto - und half, Helga wohlbehalten auf diese
unsere Welt zu bringen.

Da Helgas Mutter seinerzeit noch nicht deutsch konnte, haben Helga und später ihr Bruder anfänglich
italienisch gesprochen. Und ihre jüngere Schwester wohnt nun schon seit über 45 Jahren im Tessin. Familie
Richter -Brunetti verbrachte jedes Jahr im Tessin und in Venedig, bzw. in Caroman - ein Lieblingsort von
Helga - ihre Ferien. Dies bis zum Kriegsausbruch 1939. Seither fühlte sich Helga AVA Colden im Tessin und Italien sehr heimisch.

Helga Ava Colden starb in ihrem achtzigsten Lebensjahr nach einer schweren Krankheit am
13. März 2009.

Ausstellungsflyer